

Das Versprechen der künstlichen Intelligenz wird für viele Marken und Handelsunternehmen zunehmend Realität: Personalisierte Empfehlungen, automatisierter Kundenservice, dynamische Preisgestaltung und prädiktives Bestandsmanagement zählen zu den KI-gestützten Anwendungen, die heute bereits produktiv und skalierbar eingesetzt werden.
Gleichzeitig zeigt sich in der Praxis häufig eine deutliche Diskrepanz zwischen Pilotprojekten und KI-Prozessen, die tatsächlich produktionsreif sind. Der Aufbau leistungsfähiger KI-Prozessen erfordert weit mehr als die Implementierung einzelner Algorithmen: Entscheidend ist ein klar definiertes operatives Framework, der Technologie, Menschen und Prozesse systematisch miteinander verbindet.
Es überrascht nicht, dass dieses Framework die Best Practices der digitalen Transformation widerspiegelt. Viele der Prinzipien, die Unternehmen beim Übergang von Tabellenkalkulationen zu integrierten Technologiesystemen bereits angewendet haben, setzen sie heute ein, um ihre digitalen Initiativen gezielt KI-getriebener zu machen.
Setzen Sie KI nur ein, wenn sie geschäftliche Ziele unterstützt. Bevor Sie eine operative Infrastruktur aufbauen, sollten Sie klar definieren, welche konkreten geschäftlichen Herausforderungen gelöst werden sollen. Konzentrieren Sie sich auf messbare, wertschöpfende Anwendungsfälle: Verlieren Sie Kunden aufgrund langsamer Reaktionszeiten im Support? Führt ein ineffizienter Lagerumschlag zu Liquiditätsengpässen? Haben Sie Schwierigkeiten, die Kundenerfahrung über alle Kanäle hinweg zu personalisieren?
Jeder Anwendungsfall bringt unterschiedliche operative Anforderungen mit sich. Ein Empfehlungssystem benötigt kontinuierliches Performance-Monitoring sowie eine belastbare A/B-Test-Infrastruktur. Ein Kundenservice-Chatbot erfordert klar definierte Eskalations-Workflows und Qualitätssicherungsprozesse. Ein System zur Bestandsprognose muss nahtlos in Lieferkettenprozesse und das Lieferantenmanagement integriert sein.
Definieren Sie frühzeitig klare Erfolgskennzahlen. Dazu zählen beispielsweise Verbesserungen der Conversion Rate, Kundenzufriedenheitswerte, Kosten pro Interaktion oder Lagerhaltungskosten. Eindeutige KPIs dienen als Leitplanke für operative Entscheidungen und ermöglichen eine gezielte Ressourcenallokation.
Eine erfolgreiche KI-Implementierung basiert auf enger Zusammenarbeit und vertrauensvoller Partnerschaft. Bei OSF unterstützen wir unsere Kunden beim Aufbau von KI-Governance-Teams, die das operative Programm – einschließlich Richtlinien und Prozessen – definieren und überwachen.
Wir empfehlen, das Team mit einem KI-Verantwortlichen oder Projektleiter auszustatten, der bereichsübergreifend agieren kann. Ergänzend sollte das Team mindestens eine strategisch verantwortliche Führungskraft (zur Unterstützung von Entscheidungsprozessen) sowie Vertreter aus Data Science, IT, Entwicklung, Produktmanagement, Vertrieb, Finanzen und Betrieb umfassen.
KI-Systeme sind nur so leistungsfähig wie die Daten, auf denen sie basieren. Die Vorbereitung von KI-Prozessen bedeutet vor allem den Aufbau stabiler Datenpipelines, die Informationen in Echtzeit oder nahezu in Echtzeit erfassen, bereinigen und den Modellen bereitstellen.
Starten Sie mit einer Bestandsaufnahme Ihrer Datenlandschaft: Welche Kundeninteraktionen erfassen Sie? Wie sind Ihre Produktinformationen strukturiert? Wo bestehen Lücken oder Inkonsistenzen? Zu den häufigsten Herausforderungen zählen eine uneinheitliche Produktkategorisierung, unvollständige Kundenprofile sowie fragmentierte Datenquellen über verschiedene Kanäle hinweg.
Etablieren Sie von Beginn an klare Data-Governance-Prinzipien. Legen Sie Verantwortlichkeiten für Daten fest, definieren Sie Qualitätsstandards und implementieren Sie Prozesse für Datenschutz und Einwilligungsmanagement. Diese Maßnahmen sind nicht nur Compliance-relevant, sondern entscheidend, um Modellverschlechterung zu verhindern und das Vertrauen Ihrer Kunden langfristig zu sichern.
Langfristig erfolgreiche KI-Prozesse beruhen darauf, dass Menschen und Maschinen sich optimal ergänzen. Gestalten Sie Workflows, die beide Seiten effizient einsetzen.
Im Kundenservice kann KI beispielsweise häufige Standardanfragen automatisiert bearbeiten und komplexe Fälle samt relevanter Kontextinformationen an Mitarbeitende weiterleiten. Im Merchandising erkennt KI Potenziale für Produktbündelungen, während Menschen die finalen Entscheidungen im Einklang mit der Markenstrategie treffen. Um Dubletten in Kontaktdatensätzen zu vermeiden, die die Arbeit der Vertriebsteams behindern könnten, markiert die KI potenzielle Mehrfacheinträge, die anschließend von Analysten geprüft und bewertet werden.
Schaffen Sie transparente Schnittstellen, die menschliche Überwachung erleichtern. Mitarbeitende müssen kein tiefgehendes Verständnis von Machine-Learning besitzen, um effektiv mit KI-Systemen zu arbeiten. Entscheidend sind nachvollziehbare Entscheidungslogiken sowie einfache Verfahren, Feedback zu geben und Korrekturen vorzunehmen.
KI-Modelle verlieren im Laufe der Zeit an Qualität – zum Beispiel durch verändertes Kundenverhalten, neue Produkte oder sich wandelnde Marktbedingungen. Operative Exzellenz erfordert daher eine kontinuierliche Überwachung und regelmäßige Aktualisierung. Stellen Sie sicher, dass Maßnahmen und deren Ergebnisse nicht nur an Führungskräfte, sondern auch an die Teams, die mit den Modellen arbeiten, kommuniziert werden, damit alle in den Prozess eingebunden bleiben und ihn aktiv unterstützen.
Richten Sie Dashboards ein, die sowohl technische Kennzahlen (z. B. Prognosegenauigkeit) als auch geschäftliche KPIs (z. B. Umsatzsteigerung oder Effizienzgewinne) anzeigen. Definieren Sie zusätzlich Warnungen für Anomalien – etwa bei plötzlichen Veränderungen in Kundensegmenten, unerwarteten Rückgängen der Vertrauenswerte oder ungewöhnlichen Mustern bei Empfehlungen.
Bewerten Sie Ihre Modelle regelmäßig. Einige Teams überprüfen die Leistung wöchentlich, andere monatlich. Branchen mit stark saisonalem oder trendgetriebenem Verhalten – wie die Modebranche – benötigen oft häufigere Anpassungen als Unternehmen im Bereich der industriellen Beschaffung.
Starten Sie mit klar definierten Anwendungsfällen. Die flächendeckende Einführung von KI im gesamten Unternehmen führt häufig zu unnötiger Komplexität und operativen Reibungsverlusten.
Automatisieren Sie wiederkehrende operative Aufgaben, sobald Ihre KI-Initiativen an Reife gewinnen. Dazu gehören das erneute Trainieren von Modellen, Leistungsberichte und Datenqualitätskontrollen. So bleibt Ihr Team frei für strategische Verbesserungen und neue Anwendungsfälle.
Der Aufbau leistungsfähiger KI-Prozesse ist kein einmaliges Projekt, sondern ein fortlaufender Entwicklungsprozess. Erfolgreiche Unternehmen betrachten KI als dauerhafte operative Kernkompetenz. Mit den richtigen Grundlagen – klaren Zielen, funktionsübergreifender Zusammenarbeit, stabiler Datenbasis, geplante Mensch-KI-Workflows und kontinuierlicher Optimierung – verwandelt sich KI in einen nachhaltigen Wettbewerbsvorteil statt in ein fortwährendes Experiment.